▶ Kostenlos spielen

Das Notizbuch

Tischkicker: Maße, Bälle, Regeln — und warum das englische Wort dafür aus dem Deutschen kommt

Über den Tischkicker weiß jeder ungefähr Bescheid: acht Stangen, ein paar Figuren, ein Ball. Und trotzdem sind es genau diese drei Dinge, an denen sich entscheidet, ob das Spiel Spaß macht oder nach zehn Minuten langweilt.

Hier steht alles an einem Ort: die Maße, welcher Ball was verändert, was es mit den Figuren und Ersatzteilen auf sich hat, die Regeln — und zwei Dinge, die kaum jemand erzählt: woher das Wort foosball kommt und warum der größte Tischfußballverband der Welt ein deutscher ist.

Wie das Ding eigentlich heißt

Schon im Deutschen gibt es keine Einigkeit: Tischkicker, Tischfußball, Kicker, und als Tätigkeit kickern oder tischkickern. Alles richtig.

Im übrigen deutschsprachigen Raum wird es noch bunter:

  • Österreich — der Wuzzler, manchmal auch Wuzzlkasten.
  • Deutschschweiz — der Töggelikasten.
  • Hannover und Umgebung — dort heißt der Sport Krökeln und der Tisch entsprechend Krökler oder Krökeltisch. Wer nicht von dort kommt, versteht kein Wort.

Das ist kein Zufall, sondern typisch für Spiele, die im Wirtshaus und im Jugendheim groß geworden sind: Sie wurden gesprochen, bevor sie aufgeschrieben wurden, und jede Gegend hat sich ihren eigenen Namen ausgedacht.

Tischkicker auf Englisch — und die Pointe dahinter

Die englische Antwort lautet je nach Land:

  • Foosball — USA. Mit Abstand das verbreitetste Wort weltweit.
  • Table football — Großbritannien.
  • Table soccer — der offizielle Begriff des Weltverbands.

Und jetzt die Pointe: foosball ist ein deutsches Wort. Es ist schlicht die amerikanische Aussprache von Fußball, übernommen, als das Spiel aus Deutschland in die USA kam. Einen Spieler nennt man dort folgerichtig einen fooser.

Das heißt: Hunderte Menschen googeln jeden Monat, wie Tischkicker auf Englisch heißt — und bekommen ihr eigenes Wort zurück, nur mit amerikanischem Akzent.

Nahaufnahme eines Tischkickers: verchromte Stange, bemalte Spielfigur und ein weißer Ball auf dem grünen Spielfeld

Tischkicker-Maße

Ein Standardtisch ist 110 bis 120 cm lang und 65 bis 72 cm breit. Kneipenmodelle liegen am oberen Ende, Heim- und Klapptische am unteren.

Es gibt acht Stangen, vier pro Seite, und die Aufstellung ist immer gleich: 1 Torwart, 2 Verteidiger, 5 im Mittelfeld — die vollste Stange, auf der die meisten Partien entschieden werden — und 3 im Sturm.

Wichtiger als die Länge ist übrigens das Gewicht. Ein leichter Tisch wandert bei jedem Schuss über den Boden und verfälscht das Spiel. Das gilt für jedes Tischspiel: Beim TIPP-KICK entscheidet die Unterlage genauso über das Ergebnis wie die Technik.

Der Ball verändert mehr als der Tisch

Der Ball ist das meistunterschätzte Teil am ganzen Tisch, und es gibt ihn in drei Familien:

  • Genoppt oder aufgeraut — bremst auf der Fußsohle der Figur ab und lässt sich sauber stoppen. Das ist der Turnierball.
  • Glatter Hartplastikball — schneller und sprunghafter. Macht Spaß, aber das Spiel wird chaotisch.
  • Kork oder weiche Materialien — langsam, leise, typisch für alte Tische. Verzeiht fast alles.

Faustregel: Wenn zu Hause niemand den Ball stoppen kann, liegt es fast immer am Ball und nicht an der Hand. Ein Satz Tischkicker-Bälle kostet wenig und verändert den Tisch mehr als jedes andere Zubehör.

Figuren, Stangen und Ersatzteile

Die Figuren. Der Unterschied steckt in der Fußsohle: Profi-Figuren haben sie geriffelt oder abgeschrägt, weil den Ball zu stoppen genauso wichtig ist wie ihn zu schießen. Eine glatte Sohle lässt jeden Ball weiterrutschen.

Die Stangen. Teleskopstangen ragen hinten nicht aus dem Tisch heraus — sicherer für Kinder und in engen Räumen. Durchgehende Stangen sind der Turnierstandard. Entscheidend ist der Griff: Ein rutschiger Griff kostet mehr Spiele als jeder Gegner.

Ersatzteile und Zubehör. Das meiste am Tischkicker ist Verschleiß und lässt sich einzeln tauschen: Bälle, Griffe, Lager, Stangenfedern und die Figuren selbst. Das ist die eigentlich gute Nachricht an einem teuren Tisch — er geht nicht kaputt, er wird repariert.

Die Regeln

Es gibt ein offizielles Regelwerk, veröffentlicht von der ITSF, dem Weltverband, gegründet 2002 in Frankreich. Das Wichtigste:

  • Gespielt wird bis 5 Tore, ein Match geht über zwei oder drei Gewinnsätze.
  • Toter Ball: Liegt der Ball unerreichbar für alle Stangen, wird er neu eingeworfen. Am Tisch rütteln ist verboten.
  • Ein Ball, der vom Tisch fliegt, kommt von der Seite zurück ins Spiel, die ihn nicht hinausbefördert hat.
  • Den Tisch wackeln, den Gegner stören oder ablenken ist ein Foul.
  • Und die berühmteste Regel überhaupt: Kurbeln ist verboten.

Kurbeln heißt technisch: die Stange um mehr als 360 Grad drehen, vor oder nach dem Ballkontakt. Ein so erzieltes Tor zählt nicht.

Der Grund ist sportlich. Kurbeln ist keine Technik, sondern Handgelenk: Es macht Zielen, Passen und Stoppen überflüssig. An einem Tisch, an dem gekurbelt werden darf, gewinnt wer schneller dreht, nicht wer besser spielt. Übrigens gilt diese Regel weltweit, meist ungeschrieben — in Italien heißt sie rullata, in der Türkei fırfır, und in jeder Kneipe der Welt fällt vor dem ersten Anstoß derselbe Satz.

Wer das Original lesen will: das offizielle ITSF-Regelwerk gibt es auf Englisch.

Deutschland hat den größten Tischfußballverband der Welt

Das ist der Teil, den fast niemand erzählt. Der Deutsche Tischfußballbund (DTFB) wurde am 20. Juni 1969 gegründet und ist heute mit über 10.000 Mitgliedern, rund 350 Vereinen und Spielvereinigungen und mehr als 140 Bundesliga-Mannschaften der größte Tischfußballverband der Welt — und sportlich einer der erfolgreichsten.

Unter seinem Dach stehen 13 Landesverbände, die eigene Regionalligen und Turniere ausrichten. Es gibt also tatsächlich eine Tischkicker-Bundesliga, mit Auf- und Abstieg, Tabellen und Spieltagen.

Wer beim Tischkicker also an Kneipe und Bierdeckel denkt, liegt nur zur Hälfte richtig: Daneben existiert ein durchorganisierter Wettkampfsport, und Deutschland ist darin die Nummer eins.

Menschentischkicker

Die Großversion für Feste und Firmenfeiern: ein aufblasbares Feld, in dem sich die Spieler an waagerechten Stangen festhalten und sich nur seitlich bewegen dürfen — genau wie die Figuren.

Die Regeln sind die vom Tisch, das Kurbeln erledigt sich von selbst. Der Unterschied ist, dass nach zehn Minuten die Arme brennen.

Tischkicker selber bauen

Die einfachste Version entsteht an einem Nachmittag aus einem Schuhkarton: vier bis sechs Holzspieße als Stangen, Wäscheklammern als Spieler (die halten von selbst auf dem Spieß), ein Tischtennisball, an den Schmalseiten je ein ausgeschnittenes Tor, unten grünes Papier.

Der Nebeneffekt: Auf Pappe lässt sich nicht kurbeln. Die wichtigste Regel setzt sich von allein durch.

Zwei Tricks, die sofort helfen

Wer besser werden will, braucht keine Kunststücke, sondern zwei Gewohnheiten. Erstens: den Ball stoppen, bevor man schießt. Fast alle Anfänger dreschen sofort drauf; ein gestoppter Ball trifft dreimal so oft. Zweitens: nicht auf das Tor schauen, sondern auf die Lücke. Der Torwart des Gegners deckt immer eine Seite ab — geschossen wird auf die andere.

Quellen

Alle Zahlen und Namen oben sind belegt:

  • Tischfußball, Wikipedia — die regionalen Namen Wuzzler, Töggelikasten und Krökeln, sowie Maße und Aufstellung.
  • Deutscher Tischfußballbund, Wikipedia — Gründung am 20. Juni 1969, über 10.000 Mitglieder, rund 350 Vereine, mehr als 140 Bundesliga-Mannschaften und 13 Landesverbände. (Die eigene Seite des Verbands, dtfb.de, ist seit August 2026 offline — sie liefert 410 für die ganze Domain.)
  • foosball, Etymonline — dass das amerikanische Wort aus dem deutschen Fußball stammt.
  • ITSF-Regelwerk — 5 Tore, toter Ball und das Kurbelverbot über 360 Grad.

Fehler gefunden? Schreib mir — ich korrigiere es und sage, was sich geändert hat.

Wenn kein Tisch da ist

Das praktische Problem am Tischkicker bleibt: teuer, schwer, braucht Platz, und jemanden auf der anderen Seite zur selben Zeit.

Toy Soccer Cup ist kein Tischkicker — es hat keine Stangen. Es ist die andere Art Tischfußball: die, bei der man mit dem Finger schnippt, zielt und die Kraft dosiert. Läuft im Browser, kostenlos und ohne Installation, gegen den Computer, zu zweit am selben Gerät oder gegen jemanden aus einem anderen Land.

Wen dagegen der deutsche Klassiker mit den Klappfiguren interessiert, findet hier die TIPP-KICK-Regeln, hundert Jahre TIPP-KICK-Geschichte und einen Überblick über alle Fußball-Brettspiele.

Miguel Ángel Villar Alarcón
Ich habe Toy Soccer Cup allein gebaut — die Physik, die 57 Ligen, die 858 Vereine — und ich schreibe dieses Notizbuch: 66 Artikel in 8 Sprachen. Jede historische Angabe prüfe ich an der Quelle, und wenn die Quellen sich widersprechen, sage ich es. Korrekturen willkommen.